Hans Kollhoffs Masterplan für das neue Wohnquartier an Berns Stadtrand bezieht sich auf die Qualitäten des gutbürgerlichen Wohnquartiers nebenan, zeigt aber die Grenzen der offenen Bebauungsstruktur auf, wenn die Dichte extrem erhöht wird. Die beiden Wohnhäuser, dieEsch Sintzel im Baufeld D planen (übrige Häuser von Graber Pulver Architekten und Rolf Mühlethaler), gehen auf unterschiedliche Weise mit dieser Herausforderung um: mit einem zentripetalen Raumgefüge das eine, mit einer zentrifugalen Struktur das andere.
Im ersten Haus sind Mietwohnungen im gehobenen Marktsegment angeordnet. Hier wird die bürgerliche Referenz des Masterplans ins Innere des Gebäudes fortgesetzt: Inspiriert von Vorbildern von Auguste Perret oder Crawford-Steiger, bildet hier eine zentrale, oktogonale Wohnhalle die innere Mitte jeder Wohnung, um die herum die Innen- und Aussenräume angelegt sind. Die Öffnungen sind gleichsam subtraktiv aus der Baumasse heraus erodiert, so dass der Aussenbezug aus jedem Raum stets über die vermittelnde Schwelle einer Loggia führt.
Das zweite Haus dient als Pilotprojekt für eine neue Anlagestiftung im Bereich ‹Affordable Housing›. Wie lässt sich den unaufhaltsam steigenden Ansprüchen an Wohnfläche und -standard durch gezielte Beschränkung begegnen? Etwa, indem die Küchen zu Orangerien erweitert werden, so dass Balkone entfallen. Oder indem die reine Verkehrsfläche auf ein Minimum beschränkt wird; durch knapp, aber gut geschnittene Räume; durch den Verzicht auf Innenausbau, auf üppige Nasszellen, auf lange Küchenfronten...
Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Patrick Schori, Marco Rickenbacher, Nicola Wild
Programm: 8 Wohnungen (Pensimo) / 11 Wohnungen (Adimora)
Bauherrschaft: Anlagestiftung Pensimo / Anlagestiftung Adimora
Landschaftsarchitektur: 4D Landschaftsarchitektur, Bern
Investorenwettbewerb 2010
Vorprojekt 2011, in Planung
Ausführung 2013-14