Ein idyllisches Quartier mit dicht eingewachsenen Wohnhäusern umgibt das Rigahaus. Nur das wuchtige Hauptgebäude des Alterszentrums durchbricht den Massstab der Umgebung. Es verkörpert geradezu ein öffentliches Gebäude, aber es taugt deshalb nicht als Referenzgrösse für das neue Alterswohnhaus. Ein solches soll sich an Massstab und Ausdruck vertrauter, möglichst ‚normaler’ Wohnhäuser orientieren. Dies hat nicht nur mit der Integration in den dicht bebauten Kontext zu tun, sondern vor allem mit dem angemessenen Rahmen für ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter.
Aus diesen Überlegungen ist das umfangreiche Raumprogramm auf zwei Baukörper aufgeteilt, und deshalb ist die Grundrissfigur lebhaft bewegt, so dass die wahre Gebäudegrösse nirgends in ihrer Gesamtheit erkennbar wird.


Gebäude und Parkraum sind komplementär zueinander, sie sind miteinander verzahnt. Die bewegte Fassadenabwicklung schützt nicht nur vor Einsicht aus den umgebenden Häusern, sie lässt vor allem jeden Raum der Wohnung intensiv am Parkraum teilhaben. Indem jede Wohnung nach mindestens drei Seiten orientiert ist, vermittelt sie etwas vom Wohngefühl eines freistehenden Hauses. Der Wechsel des Lichts im Tagesverlauf wird ebenso erlebbar wie der Wechsel von Nahsicht und Fernblick rundum. Häuser und Wohnungen folgen dem Lauf der Sonne wie eine Sonnenblume.
Dieselbe Bewegung, welche den Baukörper als Ganzes erfasst, versetzt auch die einzelnen Wandoberflächen in sachte Schwingung. Im Zusammenwirken mit dem Schattenspiel der Blätter von den umstehenden Bäumen stellt sich in der Wahrnehmung der Baukörper eine flirrende Unschärfe ein, welche Häuser und Park als untrennbares Ganzes erscheinen lassen.

Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Susann Kintat

 

Programm: 30 Alterswohnungen (2,5 und 3,5 Zimmer)
Bauherrschaft: C.L.Allemann-Stiftung, Chur
Wettbewerb auf Einladung: 2010