Am Südrand der Linth-Escher-Siedlung Oerlikon prallen das kleinräumige, mit alten Bäumen bestandene Siedlungsidyll und die tosende Autobahnschneise förmlich aufeinander. Ein Neubau an dieser Stelle muss die bestehende Siedlung vom Lärm abschirmen. Er eröffnet aber darüber hinaus die Möglichkeit, selbst an dieser lärmexponierten Lage attraktiven Wohnraum zu schaffen, verspricht doch die grosse Verkehrsfläche vor dem Haus eine unverbaubare Südlage, sieht man vom Lärm einmal ab. Die geschwungene Gebäudeform dient denn auch nicht bloss dem Abschirmen der rückwärtigen Siedlung vom Lärm, sondern auch dem Auffächern der Wohnzimmer zur Sonne hin. Wirkt die Krümmung des Baukörpers im Innern der Siedlung als Geste der Umarmung, so scheint sie auf der Strassenseite die Kurven und Rampen des mächtigen Verkehrsbauwerks aufzunehmen.
Drei parallele Längswände ordnen das Haus und zahlreiche radiale Querschotten die einzelnen Räume darin, welche nördlich der Mittelwand von ähnlicher Grösse sind, südlich davon dagegen unterschiedlich gross: So einfach diese Struktur ist, so vielfältig sind die diagonalen Raumbezüge, die sich darin auftun und die gemeinsam mit den wenigen, bewusst eingesetzten Anklängen an bürgerliche Wohnkultur (wie den doppelflügligen Entrée-Türen) den Wohnungen zu einem grosszügigen und repräsentativen Auftritt verhelfen.
Im Erdgeschoss wird die Schnittlösung des Vorgängerbaus übernommen: Zur Strasse hin ist es als Hochparterre, zur Gartenseite dagegen als gut belichtetes Vollgeschoss angelegt, in dem das Raumangebot für die Gemeinschaft untergebracht ist, also Eingänge, Waschküchen, Genossenschaftsbüro, Atelier- und Bastelräume.
Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Claudia Mühlebach
Programm: 55 Wohnugen 1. Etappe / 60 Wohnugen erweiterter Perimeter
Bauherrschaft: Baugenossenschaft Linth-Escher
Bauingenieur: Aerni + Aerni, Zürich
Bauphysik: Bakus, Zürich
Wettbewerb auf Einladung: 2008, 5.Preis