Am Landschaftsraum des Tösstals fällt auf, dass der Fluss nicht nur die Topografie des Tals formt, sondern auch die Elemente der Besiedlung gleichsam in Fliessrichtung ausrichtet, die grösseren Gebäude, die von Alleebäumen gesäumte Strasse, die Bahntrasse, die Waldkanten. Dass dies auch für die bauliche Struktur der Siedlung Oberzelg gelten soll, liegt nahe, denn ihre beachtliche Grösse wird den Sennhof markant prägen. Wir sind überzeugt, dass in der ‚Fliessrichtung’ des Tösstals der Kern der Identität dieser Landschaft liegt. Wer die Bedeutung von ‚Identität’ erkennt, darf sich nicht erst im engen Rahmen der Hausgemeinschaft darum bemühen, sondern schon im grossen Massstab der Landschaft, in die er baut.
Der eigentliche Siedlungsplatz liegt im Herzen der Anlage und ist verkehrsfrei. Der Gemeinschaftsraum grenzt unmittelbar an diese ‚soziale Mitte’ an, und auch der Spielplatz liegt hier richtig. Zum Bahnhof und zur Schule hin weitet sich der Zwischenraum im Gefüge der Häuser erneut auf, schafft einen einladenden Auftakt zum Sennhof hin und bildet eine öffentliche Adresse, wie sie für die auswärts gerichteten Nutzungen – Dienstleistungsflächen und Hort – von Vorteil sind. Wenn im Rahmen der dritten Etappe das Areal im Süden abgeschlossen wird, entsteht auch hier ein geschützter, siedlungsinterner Binnenraum.

Diese gemeinschaftliche Raumfolge wird von privaten Gärten gesäumt. Eine breite, niedrige Mauer fasst den höher gelegenen Gartenbereich und bietet zwanglose Sitzgelegenheiten. Die Gärten werden von niedrigen Hecken gefasst, verschiedene Obstbäume unterstreichen den Gartencharakter. Die sanft ansteigenden, grosszügigen Vorbereiche zu den Hauseingängen vermitteln zwischen den Sphären der Siedlung und der Hausgemeinschaft, der im Schnitt 12 Mietparteien angehören. Dieser Nuancierung und klaren Zuordnung der Aussenräume – von der öffentlichen bis zur ganz privaten Welt – galt in der Vertiefung besonderes Augenmerk. Denn die neue Siedlung soll vielerlei Zugehörigkeiten ermöglichen: Sie soll Teil von Sennhof sein und das Gefüge des Ortes als Ganzem bereichern, sie soll darüber hinaus als Siedlung eine starke binnenräumliche Identität vermitteln und sie soll jeder Hausgemeinschaft Möglichkeiten zur Aneignung und Identifikation einräumen.

Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Susann Kintat

 

Programm: 138 Wohnungen (2.5 - 5.5 Zimmer)
Bauherrschaft: Heimstätten-Genossenschaft Winterthur
Landschaftsarchitektur: Kuhn-Truninger Landschaftsarchitekten, Stephan Kuhn, Catherina Bauer

 

Studienauftrag auf Einladung 2009-10, Gestaltungsplan und Vorprojekt 2010-11