Weit und steil ist der Weg, den die Schüler zwischen der Plessur-Aue und der Halde jedes Mal zurücklegen müssen, aber auch ereignisreich, eine dichte Folge von Ausblicken auf Kathedrale, Altstadt, Plessur- und Rheintal. Rein organisatorisch ist jeder solche Ortswechsel zwar ein Hindernis im dichten Stundenplan, er kann aber – zumal an derart privilegierter Lage – auch zum willkommenen „Time Out“ werden, zum kurzen Spaziergang an der frischen Luft, um den Blick in die Weite zu richten und die Gedanken zu ordnen.
Darin klingt nicht zufällig das Campus-Leben in altehrwürdigen angelsächsischen Colleges an, in deren Tagesablauf die Studierenden mitunter für jedes Fach von Gebäude zu Gebäude wechseln, unterwegs den sozialen Austausch pflegen und den Kopf ventilieren. „Campus“ hiess denn auch seinerzeit der Wettbewerb für die Zusammenführung der beiden Mittelschulen, deren letzter Baustein diese Fussgängerverbindung wird. Das Bild vom lebendigen Treiben auf den Wegen eines Campus hat das Potential, aus der Not einer Verkehrsverbindung die Tugend eines identitätsstiftenden Ortes zu machen, einen Weg zu schaffen, den man gerne auch langsamer, neugieriger, gar öfter begeht als nötig.
Dies setzt voraus, dass die Wegführung soweit wie möglich der Topographie folgt, um das Gefühl vom „in der Landschaft sein“ zu vermitteln. Beim Abstieg in die Plessurebene bleibt der Passant deshalb so lange, wie das Relief dies zulässt, „auf dem Berg“, bewegt sich dann „am Berg“ entlang der Böschungsmauer der St. Luzistrasse abwärts und begibt sich erst unmittelbar vor der Unterführung der Strasse „in den Berg“. Eine leichte, überdachte Treppe führt den Abwärtssteigenden schliesslich aus dem Innern des Felsens heraus, wo dieser in früheren Zeiten nahezu senkrecht begradigt worden ist.
Der Verlauf des Wegs mag episodisch, ja zufällig anmuten, er folgt jedoch genauen Überlegungen zur haushälterischen Einbettung in Terrain und Relief des Rebbergs (Bereich „auf dem Berg“ und „am Berg“), zur Lichtführung (Bereich „im Berg“) sowie zur Dramaturgie von Ein- und Ausblicken hinaus in die Landschaft oder hinüber zum Aufzugs-Trassee.
Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Claudia Mühlebach, Stefan Welter
Programm: Fussgängerverbindung mit Schräglift
Bauherrschaft: Kanton Graubünden, vertreten durch das Hochbauamt
Tragkonstruktion: Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Andreas Gianoli, Zürich
Baumanagement: Zoanni Architekten Baumanagement, Alexander Zoanni, Chur
Landschaftsarchitekt: Luzius Saurer Garten- und Landschaftsarchitektur, Hinterkappelen
Wettbewerb auf Einladung: 2009, 1.Preis