Im Gundeli hat in den letzten Jahren eine eigentliche ‚Gentrification’ eingesetzt. Umfangreiche Massnahmen zur Aufwertung der zentralen Güterstrasse und zur besseren Anbindung des Stadtviertels an die Kernstadt jenseits der Geleise gehen mit einer regen Um- und Neubautätigkeit einher. In dieser Dynamik behauptet sich die strenge Blockrand-Typologie aus dem Ende des 19.Jahrhunderts als ebenso prägende wie integrationsfähige Struktur.
Der historische Charakter des Quartiers soll nicht bloss in Volumetrie und Fassadengestaltung des neuen Hauses anklingen, sondern auch in der Eigenart der Wohnungen. Wie lässt sich dieses Anliegen mit heutigen Vorstellungen vom Wohnen zur Deckung bringen, insbesondere mit dem Wunsch, das Verhältnis der Räume zueinander individuell gestalten zu können? Wie lassen sich loft-ähnliche, fliessende Raumfolgen bilden, ohne auf die solide räumliche Definition zu verzichten, wie sie das ‚Wohnen im Altbau’ so begehrenswert machen?
Eine historische Referenz gibt eine mögliche Antwort: Das Berliner Zimmer, eine Besonderheit Berliner Mietshäuser im 19.Jahrhundert, ist Aufenthalts- und Verkehrsraum zugleich. Ursprünglich am Übergang vom Vorderhaus zum Seitenflügel gelegen, also im Dämmerlicht der grössten Gebäudetiefe, setzt es die Vielzahl von Räumen in der bürgerlichen Wohnung zueinander in Beziehung, verbindet repräsentative mit Diensträumen, Tages- und Nachtbereiche und wird zum eigentlichen Herzen der Wohnung. Die hier vorgeschlagenen Wohneinheiten verfügen alle über ein ca.30m2 grosses Berliner Zimmer. Licht und Luft bezieht dieses nicht nur über die vorgelagerten Loggien, sondern auch über die Nachbarräume, zu denen sich breite, verglaste Türen auftun. Bleiben diese offen, so ergeben sich tiefe Raumfolgen mit weitläufigen Diagonalbezügen; werden sie geschlossen, so entstehen gut geschnittene, funktionale Räume.
Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Claudia Mühlebach
Programm: 41 Wohnungen für Pendler (2.5 Zi und 3.5 Zi Wohnungen)
Bauherrschaft: Pensimo Management AG
Studienauftrag an mehrer Architektenteams