In der Stoa, einer offenen Wandelhalle, trafen sich im antiken Athen Schüler und Lehrer zum Unterricht. So prägend war dieser Ort des Lernens und des Austauschs, dass er einer ganzen Philosophenschule, den Stoikern, den Namen gab. Eine solche Wandelhalle schlagen wir für die Schulanlage in Ballwil vor. Sie steht sinnbildlich für die Öffnung der Schule, für ihre Erweiterung um öffentliche Räume und für Durchlässigkeit und Austausch zwischen den Kindern verschiedenen Alters, wie die Schulreform dies fördern möchte.
Eine Erweiterung von dieser Bedeutung kann nicht einfach die Politik der kleinen Schritte fortführen, wie sie für das bisherige Wachstum der Schulanlage kennzeichnend war. Das neue Gebäude wird zum eigentlichen, ordnenden Rückgrat und zugleich zum Kopf der gesamten Anlage. Erst jetzt erhält die zurückversetzt gelegene Schulanlage die ihr angemessene Präsenz im Dorfbild und im Verbund der öffentlichen Bauten rundherum. Die Vielzahl bestehender Zwischenräume wird zusammengefasst zu einem weitläufigen Aussenraum, welcher die Hanglage erfahrbar macht, hier den Fernblick auf den Pilatus freigibt und dort die Aussicht in die offene, sanft bewegte Landschaft. Treppen, Plätze und Baumgruppen gliedern diesen fliessenden Raum, dessen Ränder von Gebäuden klar begrenzt sind und von zwei Wegen gefasst, welche am öffentlich wohl bedeutsamsten Ort zusammenkommen, dem Amphitheater.
Die gewählte Strategie des klaren Ordnens vermeidet eine explizite Sollbruchstelle für die Etappierung des Neubaus. In der zweiten Bauphase wird das älteste Schulgebäude, welches der Öffnung im Weg steht, rückgebaut und im Neubau räumlich kompensiert, während der Rückbau der Provisorien zeitlich vom Neubau entkoppelt ist.
So selbstbewusst, ja monumental der Neubau den bestehenden Kontext prägt, so bescheiden ist er in seiner Materialwahl: ein Holzbau, nachhaltig und ökonomisch, vor allem aber ländlich und behaglich: keine Stoa für Athen, sondern eine Schule für Ballwil.

Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Irene Schibli, Claudia Mühlebach, Sandra Gautschi

 

Programm: Erweiterung Primarschule, Aula, Bibliothek
Bauherrschaft: Gemeinde Ballwil
Landschaftsarchitektur: Kuhn Truninger Landschaftsarchitekten, Stephan Kuhn und Salome Roner

Wettbewerb auf Einladung