Geprägt von der Vorstellung einer organisch wachsenden Stadtlandschaft entstand in Zürich-Seebach in der Nachkriegszeit ein Siedlungsbild, dessen unbestreitbare Qualitäten – kennzeichnend die offene Bebauung mit viel Grün, hohem Wohnanteil und niedriger Dichte – sich im heutigen Umfeld als zunehmend fragil erweisen. Angesichts des zunehmenden Siedlungsdrucks ist der Standort der ASIG-Siedlung an der Schaffhauserstrasse gleichsam verschoben worden: weg vom Stadtrand, hinein in eine dichte, städtische Situation.
Deshalb wird nun eine innerstädtische Typologie für den Gebrauch im vorstädtischen Kontext vorgeschlagen: die geschlossene Bebauung ermöglicht es, öffentliche und private Sphären deutlicher voneinander zu scheiden, die Aussenräume klarer zuzuordnen und damit ihre Aneignung zu erleichtern. Die Hofräume werden grossenteils als Gärten ‚privatisiert’. Dies wird dadurch ermöglicht, dass die Gebäudehöhe des Hofrandes so niedrig bleibt wie die der heutigen Siedlung und indem das Gartenniveau unter Beanspruchung des Aushubmaterials um eine halbes Geschoss erhöht wird.
Die Gebäudequerschnitte sind unterschiedlich tief: auf der lärmzugewandten Seite zur Schaffhauserstrasse zweispännig organisiert, ermöglicht die beidseitige Anordnung von Schlafräumen zur ruhigen Mattackerstrasse hin eine tiefere, dreispännige Wohnungsanordnung. Bei der Konzeption der Wohnungen wurde Wert darauf gelegt, dass Wohnbereich und Essküche durch eine Taille voneinander getrennt sind, statt beide in einem Allraum aufgehen zu lassen. Sichtverbindungen zwischen beiden Bereichen machen die ganze Längen- und Tiefenausdehnung jeder Wohnung erfahrbar.

Philipp Esch, Stephan Sintzel
Mitarbeit: Andrea Ringli, Claudia Mühlebach, Regula Arpagaus

 

Programm: 148 Wohnungen, Ateliers, Mehrzweckraum, Café, Hort
Bauherrschaft: Genossenschaft ASIG, Zürich
Landschaftsarchitektur: Hager Landschaftsarchitektur AG, Zürich
Bauingenieur, Haustechnik: Ernst Basler Partner, Zürich
Visualisierung: Meyer Dudesek, Zürich
Wettbewerb auf Einladung