Ein Alters- und Pflegeheim soll zunächst und vor allem ein grosses Wohnhaus sein, nicht aber ein Spital und auch kein Hotel. Dort gibt es meist bloss private oder aber öffentliche Sphären - in einem Wohnhaus bedarf es hingegen der vielen Schattierungen dazwischen. Hier leben in jeder der vier Wohngruppen sieben Bewohner ähnlich wie in einer Wohnung zusammen, mit privaten Zimmern rings um ein gemeinschaftliches Wohnzimmer. Im ‚Sulèr' traditioneller Engadiner Bauernhäuser fand sich dafür ein Vorbild, das sowohl als Aufenthalts- wie auch als Erschliessungsraum taugt - die Zimmer schliessen direkt daran an, lange Gänge sind nicht länger nötig. Alle gemeinschaftlichen Räume sind zu einer zusammenhängenden Wegfolge verbunden, welche im Erdgeschoss an der öffentlichsten Stelle, dem Empfang, beginnt, um allmählich in immer privatere Bereiche zu führen. Die öffentlichen Räume der Begegnung - Eingang, Cafeteria, Mehrzweck-, Andachts- und Aufbahrungsraum liegen ebenerdig. Aus ihnen ist eine ‚Begegnung der Räume' entstanden, welche gleichsam ‚en passant' die einzelnen Bereiche erschliesst, über die helle Haupttreppe in die privateren Wohngeschosse führt, die Gruppenräume einbezieht und von dort über vermittelnde Entrée-Bereiche die Zimmer erreicht.

Philipp Esch, Detlef Schulz
Mitarbeit: Katrin Schubiger

 

Programm: Alters- und Pflegeheim mit 28 Einbett-Zimmern
Bauherrschaft: Zweckverband für das Alters- und Pflegeheim
Bauleitung: Albertin Zoanni Architekten SWB, Chur
Landschaftsarchitektur: Vogt Landschaftsarchitekten AG
Kosten: 10.8 Mio Franken
Wettbewerb: 2000, 1.Preis
Planung: 2001-02
Ausführung: 2002-03