Zur Entstehungszeit des Masterplans für Schwamendingen galten die Siedlungen der schwedischen Architekten Backström und Reinius als wegweisend. Wie sehr sich auch Albert Heinrich Steiner von ihnen inspirieren liess, belegen Notizen auf seinen Skizzen für die Hochhäuser am Letzigraben. Zu den markantesten Siedlungen von Backström und Reinius gehört Gröndal. Ihre Wabenstruktur fasst geschützte, sozial klar zugeordnete Siedlungs-Binnenräume und bricht die beträchtliche Dichte und Masse des Bauvolumens in dörflich anmutende, kleinteilige Ansichten. Weil genau diese beiden Aspekte die beiden hauptsächlichen städtebaulichen Herausforderungen des vorliegenden Wettbewerbs ausmachen, wurde Gröndal zur Referenzgrösse.
Wie lässt sich das Schwamendinger Bebauungsmuster in seiner Kleinteiligkeit und seiner Komplementarität von Gebäude und Aussenraum erhalten, wenn gleichzeitig die bauliche Dichte extrem erhöht wird? Wie lässt sich innerhalb des fliessenden Schwamendinger Grünraums der Aussenraum so gestalten, dass privatere und gemeinschaftlichere Bereiche klarer zugeordnet und damit eher angeeignet werden?
Die Siedlungsfigur lässt sich verschieden lesen: als Fragment einer Wabenstruktur, aber auch als bewegte, in den Teppich aus Häusern und Gärten verwobene Grossform. Auf Augenhöhe wird man die gesamte Grösse nie erkennen, sondern stets nur kleinteilige Ausschnitte, durchwirkt und gefasst von Baumgruppen. Durchgänge verbinden die Vorhöfe mit dem privateren, rückwärtigen Aussenraum. So entsteht ein Fusswegnetz, das Höfe und Hauszugänge mit dem feinmaschigen Netz der Siedlungswege rundum zusammenführt.
Die bewegte Figur des Baukörpers findet ihre innere Entsprechung in der markanten Übereck-Anordnung von Wohn- und Essbereich, wie sie allen Wohnungen gemeinsam ist. Dadurch ergeben sich spannungsvolle Blickverbindungen über die ganze Tiefe der gemeinschaftlichen Sphäre jeder Wohnung und es entsteht eine innige Nachbarschaft sehr individueller Wohneinheiten von ‚labyrinthischer Klarheit’ (A.v.Eyck).

Philipp Esch, Stephan Sintzel
Roman Berchtold
Mitarbeit: Susann Kintat, Daniel Scheuffele

 

Programm: 108 Wohnungen (2.5 - 5.5 Zimmer)
Bauherrschaft: Graphis Bau- und Wohngenossenschaft
Landschaftsarchitektur: Berchtold.Lenzin Landschaftsarchitekten Zürich.Liestal
Wettbewerb auf Einladung 2009